Der Autor L. Manitas …

… Interview

cdemos: Danke, Herr Manitas, dass Sie für Fragen zu Ihrer Person zur Verfügung stehen.
manitas: Da nich für! Ich habe zu danken. Dafür, dass Sie mich protegieren. Sie können übrigens das Herr weglassen. Manitas reicht.
cdemos: Also gut. Manitas, wieso wird man Schriftsteller?
manitas: Das kann ich nicht beantworten. Jeder, der schreibt, hat seine persönlichen Gründe. Da müssten Sie also jeden schreibenden Menschen einzeln befragen.
cdemos: Wieso sind Sie Schriftsteller geworden?
manitas: Bin ich das? Erstens stört mich das Wort "Schriftsteller". Was soll das sein? Stellt da jemand Schrift irgendwohin? Zweitens habe ich es mir nicht vorgenommen, Autor zu werden, es ist einfach passiert.
cdemos: Über Nacht?
manitas: Nicht so ganz, natürlich nicht. Also gut, ich komme um nähere Ausführungen wohl nicht herum. Wenn ich vermuten sollte, würde ich sagen, es hat etwas mit Größenwahn zu tun. Plötzlich glaubte ich, etwas zu sagen zu haben. Ich wollte aber nicht langweilig einfach nur in irgendwelchen Foren meine Meinung herausposaunen, sondern hatte das Bedürfnis, zu einer größeren Zuhörerschaft zu sprechen.
cdemos: In der Hoffnung, dass man Ihnen zuhört?
manitas: Vermutlich. Ach Mann, woher soll ich denn wissen, was in meinem Kopf vorgeht?
cdemos: Das wissen Sie nicht?
manitas: Wer weiß das schon …
cdemos: Nun gut. Manitas, ihre Leser wüssten allerdings gern mehr über sie, den Verfasser von 42 Punkt Null.
manitas (grinst): Ach, ist das so?
cdemos: So sagt man. Dann helfen Sie uns Neugierigen doch mal auf die Sprünge.
manitas (grinst): Bin ich Ententrainer oder was? Okay, lassen wir das. Was wollen Sie wissen?
cdemos: Ihre Personalien müssen wir an dieser Stelle wohl nicht erörtern; das kann der Leser bei neobooks nachlesen. Frage: Sind Sie ein Scherzkeks?
manitas: Nein! Wie kommen Sie denn da drauf?
cdemos: Sie haben schon zweimal gegrinst, kaum, dass das Interview begonnen hat.
manitas (grinst): Das soll ich gemacht haben? Das kann ich gar nicht gemacht haben. Und wenn doch, dann kann das nicht sein, so was würde ich nie tun!
cdemos: Das war jetzt ein astreines "Rheinisches Dementi". Geklaut obendrein, von Konrad Beikircher.
manitas: Wer weiß, wo der das her hat!
cdemos: Lassen Sie uns ernst bleiben. Manitas, Ihrem neobooks-Profil kann man entnehmen, dass sie in Spanien leben. Warum?
manitas: Mir gefällt das Wetter und mir gefallen die Leute. Im Allgemeinen. Ausnahmen gibt es natürlich auch hier.
cdemos: Und in Deutschland gefällt es Ihnen nicht?
manitas: Doch, sehr! Es gibt in Deutschland viele schöne Ecken mit netten Menschen.
cdemos: Und doch leben Sie in Spanien.
manitas: Ja. Ich sehe schon, ich komme um die Wahrheit nicht herum. Also gut. Die Entscheidung, in Spanien zu leben, hat mein Bauch getroffen. Mein Kopf macht zu viele Fehler. (grinst)
cdemos: Pflegen Sie noch Kontakte zu Ihrer Heimat?
manitas: Ja. Ich fliege regelmäßig hin, wenn es meine Zeit erlaubt. Ich mag meine Heimat, das Ruhrgebiet. Dort sind die meisten Leute offen und zugewandt, das gefällt mir. Darüber hinaus gibt es dort eine ziemlich lebendige Musikszene, was außerhalb des Kohlenpotts kaum bekannt ist. Aber es ist nun mal so, dass mich der Wind und das Leben von da fortgeweht haben. Bisher gab es keinen triftigen Grund, dorthin zurückzukehren.
cdemos: Sie sagten Musikszene. Machen Sie selbst auch Musik? Welche Musik mögen Sie?
manitas: Ich spiele leidlich Gitarre. Mein Musikgeschmack? Meine Favoriten sind: Pink Floyd, Sting, ZZ-Top, Johann Sebastian Bach sowie Lenze & de Buam. Reicht das?
cdemos: Da ist aber niemand aus dem Ruhrgebiet dabei.
manitas (grinst): Alle aufzuzählen, dafür reicht der Platz hier nicht.
cdemos: Nun etwas ganz anderes. In Ihrem Profil bei neobooks sagen Sie nichts über Ihren Familienstand. Nun sind Sie ja nicht mehr der Jüngste, da sollte man doch vermuten, dass Sie nicht als einsamer Wolf durchs Leben gehen.
manitas: Und wenn, was wäre daran so schlimm? Jeder hat das Recht, sein Leben so zu gestalten, wie es ihm gefällt. Aber was mich betrifft, ich bin definitiv kein "lonesome wolf". Mehr gebe ich nicht preis, das ist Privatsache.
cdemos: Vorbeugend, für den Fall, dass Sie berühmt werden?
manitas: Berühmt? Eine schreckliche Vorstellung!
cdemos: Wieso? Heutzutage will doch jeder berühmt werden.
manitas: Ich nicht. Wenn es passiert, werde ich damit leben müssen. Aber wenn ich es mir aussuchen kann, möchte ich darauf verzichten. Außerdem: SO gut sind meine Texte nun auch wieder nicht.
cdemos: Das entscheidet doch letztlich der Leser.
manitas: Wenn Sie sich da mal nicht irren!
cdemos: Wer sonst?
manitas: Ökonomische Seilschaften an den Schalthebeln der Psychomanipulation. Der weichgespülte Teil der Spaßgesellschaft will nicht mehr nachdenken; er will nur unterhalten werden. Lets's have some fun …
cdemos: Aber der Leser, also der Kunde, kann doch selbst entscheiden, was er kauft.
manitas: Kann er nicht! Es gibt ein paar Leute, die das können, aber die Masse kauft das, was man ihnen sagt. Oder wieso gibt es so viele unnütze Dinge, die man unbedingt haben muss? In der Bücherwelt finden wir dasselbe Prinzip. Heute musst du lange nach einer echten Perle tauchen. Da hört man dann schon gerne mal auf diverse Einflüsterungen. Und dann kauft man eben den angesagten Bestseller, ohne zu wissen, wie dessen Verkaufserfolg überhaupt zustande kam. Früher, also vor dreißig, vierzig Jahren, konntest du in eine Buchhandlung gehen und blind irgendein Buch kaufen. Selten war mal eine Niete dabei.
cdemos: Woran liegt das, Ihrer Meinung nach?
manitas: Ich glaube das liegt daran, dass der Literaturbetrieb zu viele Trittbrettfahrer beherbergt. Das meine ich sowohl thematisch als auch stilistisch. Nehmen wir zum Beispiel Dan Brown. Wie hieß doch gleich sein erster Bestseller?
cdemos: Sakrileg.
manitas: Echt jetzt? Aber egal. Jedenfalls hatte er diesen Bestseller und dann gab es eine verzerrte Kopie nach der anderen. Irgendwas mit Kirche und Geheimbünden und Verschwörung und so fort. Der Büchermarkt wurde regelrecht überschwemmt mit diesem Quark. Sogar Dan Brown hat sich dann auf sein eigenes Trittbrett gestellt, anstatt neue Themen anzupacken. Anscheinend geht es nur noch ums Geld. Da schreibt man lieber Gefälligkeitsliteratur und verzichtet darauf, sich einen Namen als großer Schriftsteller zu erarbeiten.
cdemos: Wollen Sie ein großer Schriftsteller werden?
manitas: Ich weiß nicht, was ich wollen soll. Aber im Grunde denke ich, der Zug ist für mich abgefahren. Ich bin ein Neuling im Betrieb und schon viel zu alt für eine nennenswerte Zukunft.
cdemos: Na, nun hadern Sie mal nicht mit Ihrem Schicksal. Unverhofft kommt oft.
manitas: Das kommentiere ich jetzt nicht.
cdemos: Hätten sie vielleicht doch eher einen reinen Unterhaltungsroman schreiben wollen?
manitas: Moment mal! Ist 42 Punkt Null etwa nicht unterhaltend? Na gut, ich gebe zu, man muss diesen Roman mögen, eine Affinität zum Thema und zur Metaphysik haben. Dann ist er durchaus unterhaltend. Falls sie mit "Unterhaltungsroman" aber diese bescheuerte Schublade meinen – Groschenroman, Frauenroman und so weiter – muss ich Ihnen sagen, dass mir das Interview nicht mehr gefällt! Um mal Klartext zu reden: Ich schreibe über das, was mir wichtig ist. Im Fall von "42 Punkt Null" wollte ich in erster Linie ans Eingemachte und erklären, wieso 42 die Antwort auf "das Leben, das Universum und den ganzen Rest" ist.
cdemos: Sie reden von "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams?
manitas: Wovon sonst? Das war noch Literatur! Ursprünglich zwar ein Hörspiel, aber nachträglich, Gott sein Dank, zwischen Buchdeckel gepresst. Vordergründig durchaus Unterhaltung, aber nur einen Millimeter tiefer knallharte Gesellschaftskritik. Und das auf charmante und witzige Art. Britischer Humor vom Feinsten.
cdemos: Ach, hör doch auf!
manitas: Doch, im Ernst. So würde ich gern schreiben können. Kann ich aber nicht, wahrscheinlich bin ich doch noch zu deutsch.
cdemos: Und sie haben jetzt die richtige Frage gefunden, die zur Antwort "42" passt?
manitas: Yepp!
cdemos: Wann ist Ihnen die Idee gekommen, den Roman 42 Punkt Null zu schreiben?
manitas: Im Frühjahr 2014.
cdemos: Dann hat es ja zwei Jahre gedauert, bis Sie ihn endlich veröffentlicht haben. Wieso so lange?
manitas: Zeit ist relativ. Fragen Sie Albert Einstein. Allerdings hätte der Roman schon eher herausgegeben werden können, wenn die angeschriebenen Verlage nicht so langsam damit gewesen wären, letztlich zu schweigen. Das zieht sich. Die Wartezeit habe ich genutzt, um einen weiteren Roman fertigzustellen, etliche Kurztexte zu verfassen, zwei neue Romane zu beginnen und 42 Punkt Null zu bearbeiten. Feinschliff, wenn Sie verstehen.
cdemos: Sie geben also den Verlagen die Schuld?
manitas: Nicht ernsthaft. Ich bin sehr langsam.
cdemos: Wieso?
manitas: Weil ich sehr gründlich bin und eigentlich nie zufrieden. Dass der Roman jetzt endlich draußen ist, liegt an der Frist, die ich mir selbst gesetzt habe. Sonst wäre ich immer noch "am frickeln am dransein".
cdemos: Sind Sie ein Pedant aus dem Ruhrgebiet?
manitas: Ruhrgebiet, klar, sagte ich bereits. Pedant? Nee, so würde ich das nicht sagen. Aber ich neige zum Perfektionismus. Zu akzeptieren, dass absolute Perfektion nicht zu erreichen ist, kostet mich viel Überwindung.
cdemos: Wann haben Sie mit dem Schreiben angefangen?
manitas: Besagten Roman begann ich, wie gesagt im Frühjahr 2014, Mai war es, glaube ich. Ursprünglich schwebte mir vor, ein Drehbuch zu schreiben. Nachdem mir aber ein Bekannter, der früher mal in Hollywood Gelder für diverse Filmproduktionen aufgetrieben hatte, geschildert hat, wie aussichtslos es sei, als unbekannter Autor ein Drehbuch unterzubringen und dass, wenn es doch klappen sollte, vom ursprünglichen Script nicht mehr viel übrig bleiben würde — nun, da entschloss ich mich, einen Roman zu verfassen.
cdemos: Ist Ihnen die Idee zu 42.0 zugeflogen?
manitas: Nein, das war eine ziemlich merkwürdige Sache, und ich weiß nicht, ob man mir das abnimmt.
cdemos: Verraten Sie's uns trotzdem?
manitas: Na gut. Es fing 2010 an: Ich hatte – nicht jede Nacht, aber häufig – einen Traum, wie das Universum wirklich entstanden ist. Meistens tönte am Ende einer Traumsequenz eine Stimme aus dem Off und forderte mich eindringlich auf, den Wissenschaftlern meine "Erkenntnisse" unbedingt mitzuteilen. Es war nicht immer derselbe Traum, aber immer dasselbe Thema. Und so hat sich über vier Jahre hinweg ein sehr dichtes und sehr aufdringliches Bild vom Leben, vom Universum und dem ganzen Rest in meinem Denken eingenistet. Ich hatte ein wenig Angst, verrückt zu werden. Das Ding musste also aus meinem Kopf, und so habe ich fast zwanghaft meine geistige Notdurft durch das Niederschreiben dieser Traumgeschichte verrichtet.
cdemos: Das heißt, Sie haben sich den "Scheiß" aus dem Gehirn geschrieben?
manitas (grinst): Besser kann man es nicht formulieren.
cdemos: Ist denn Ihre Traum-Erkenntnis völlig neu?
manitas: Keineswegs. Um nicht zu viel zu verraten, kann ich jetzt nur sagen, dass die Idee vom Urgrund allen Seins - in ähnlicher Form wie in meinem Roman - schon gelegentlich im Laufe der Menschheitsgeschichte aufkam. Ich bin vielleicht noch einen Schritt weiter gegangen, war eine Spur konsequenter.
cdemos: Ich habe den Roman ja gelesen, und ich muss zugeben, die Konsequenz ist schon ein wenig gruselig.
manitas (grinst): Ist doch nur ein Roman.
cdemos: Wollten Sie schon immer schreiben?
manitas: Doch, eigentlich ja. Seit vierzig Jahren besucht mich gelegentlich eine Muse, die ich übrigens in einen Aufsatz über Belletristik eingebaut habe, den ich ja auf dieser Website mal öffentlich machen kann, wenn Sie gestatten. Diese Muse kam also früher immer wieder mal auf einen Kurzbesuch vorbei, ist dann aber bald naserümpfend von dannen gezogen, weil Sie bei mir keinerlei Talent finden konnte. Erst vor zwei Jahren hat es dann geschnackelt und ich bin irgendwie ins Schreiben gerutscht.
cdemos: Und jetzt? Haben sie nun Talent?
manitas: Ich hoffe doch! Wenigstens schaffe ich es jetzt, auch längere Texte zu Ende zu bringen und nicht mitten auf der Strecke die Lust zu verlieren.
cdemos: Haben sie geübt, oder ist das einem Zufall zu verdanken?
manitas: Ich habe weder geübt, noch traue ich dem Zufall über den Weg! Im Grunde bin ich davon überzeugt, dass jedes Ereignis von einer fast unendlichen Kette von Geschehnissen erzeugt wird. Ursache, Wirkung, Wirkung …
cdemos: Butterfly-Effekt?
manitas: Im Prinzip ja. Mit dem Unterschied, dass die Endwirkung nicht unbedingt bombastisch oder katastrophal sein muss. Es geht auch ein paar Nummern kleiner. Manchmal wird halt nur ein Roman geschrieben.
cdemos: Dann ist also jener Traum dafür verantwortlich, dass Ihr Hausmeister so auf die Wissenschaftler, oder wie er sie nennt, Elfenbeiner, einschimpft. Ist das ein wenig autobiografisch? Denken Sie abfällig über die Wissenschaftler?
manitas: Eine meiner Persönlichkeiten, der Prolet, denkt sicher so. Aber im Grunde habe ich nichts gegen Wissenschaftler. Die meisten verrichten still und fleißig ihre Arbeit und müssen sehen, dass sie in der perversen Zwangsmaschinerie, pausenlos veröffentlichen zu müssen, noch einigermaßen Rückgrat bewahren können. Ein paar mir persönlich bekannte Wissenschaftler sind allerdings echte Arschlöcher. Die wissen alles und vor allem immer alles besser. Selbst dann, wenn ihnen jemand beweisen kann, dass sie sich irren. Hoffnungslos! Leider sind diese Leute in Führungspositionen. Dies bildet wohl generell die gesellschaftlichen Strukturen der Primaten ab, zu denen wir nun mal gehören.
cdemos: Sie sagten "eine meiner Persönlichkeiten". Leiden Sie an einer multiplen Persönlichkeitsstörung?
manitas: Erstens weiß ich nicht, was das sein soll. Zweitens hat jeder immer mehrere Persönlichkeiten in sich, das ist völlig normal. Drittens leide ich nicht darunter, sondern ich kokettiere damit. Es ist spannend und mir wird nie langweilig mit mir selbst.
cdemos: Und der Prolet?
manitas: Ist meiner Herkunft zu verdanken. Ruhrgebiet, Arbeiterklasse.
cdemos: Das würde man nicht unbedingt vermuten, wenn man mit Ihnen redet.
manitas: Das höre ich oft. Aber ich kann Prolet. "Scheiß die Wand an, darauf kannst du einen lassen, du Klappspaten"! (grinst)
cdemos: Sie sprachen davon, dass Sie einen anderen Roman fertiggestellt haben und noch weitere Texte bearbeiten. Sind das auch wieder wissenschaftliche oder philosophische Themen? Haben Sie eine besondere Vorliebe, worüber sie schreiben?
manitas: Die anderen Text sind vollkommen anders. Ich mag mich weder thematisch noch auf ein bestimmtes Genre festlegen. Vorlieben habe ich allerdings, und meine Texte sind im Grunde nur Gefäße, um meine persönliche Kritik an bestimmten Missständen zu transportieren. Das kann in der Gegenwart oder Vergangenheit spielen, ganz handfest in diesem Leben oder in einer zukünftigen Welt, teilweise sogar in Science-Fiction-Manier.
cdemos: Welche Vorlieben beziehungsweise Missstände wären das?
manitas: Nun ja, da gäbe es viele. Ich rege mich gern über alles Mögliche auf. Um mich nicht zu verzetteln, habe ich mich aber bisher auf mein Lieblings-Feindthema konzentriert: Das Vorurteil in all seinen Varianten und Schattierungen. Ich hasse Vorurteile und ich grusle mich vor Menschen, die sich ausschließlich daran orientieren.
cdemos: Könnten Sie dazu ein paar Beispiele aus Ihrem Werk nennen?
manitas: Klar. Da wäre zum Beispiel die kleine Geschichte von einem Wolf, der fast verzweifelt seinen Platz in der Welt sucht, und wenn er bis an ihr Ende gehen müsste. Und das nur, weil er nicht so ist, wie seine Artgenossen es von ihm erwarten und verlangen. Auch die Autisten und der Hausmeister in 42 Punkt Null sind meiner Ansicht nach nur allzu gerne Opfer von Vorurteilen. Insbesondere hat ein Hausmeister gefälligst nicht mitzureden, wenn sich die Erwachsenen, also die Wissenschaftler, unterhalten. Oder in meinem angefangenen Krimi, wo der Kommissar keine Vorurteile hat und grundsätzlich alles für möglich hält. Das hält seinen Geist offen, und nur deshalb erzielt er mehr Erfolge als seine Kollegen.
cdemos: Wieso schreiben Sie nicht über aktuelle Missstände? PEGIDA, AfD und so weiter. Sie scheinen sich aus der Politik heraushalten zu wollen.
manitas: Sie können das getrost ergänzen um CDU, SPD, CSU, Grüne und so weiter. Es stinkt ganz gewaltig in der gesamten Parteienlandschaft. Doch werde ich den Journalisten nicht ihre Arbeit abnehmen! Dass ich mich aus der Politik heraushalte, stimmt allerdings nicht. Sie haben recht, wenn Sie die Tagespolitik meinen. Die interessiert mich nicht. Jeden Tag wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben, manchmal, bevor die alte tot ist. Ich habe meine Meinung, klar, aber muss ich unbedingt etwas dazu sagen? Diese seltsamen, und doch so gewöhnlichen Ereignisse passieren doch nur an der Oberfläche. Ich schaue lieber genauer hin. Denn die eigentliche Tragödie liegt nicht in gesellschaftlichen Prozessen, sondern findet in jedem einzelnen Schädel statt.
cdemos: Wie darf ich das verstehen?
manitas: Das Problem ist, dass uns die Evolution an einen Punkt geführt hat, an dem wir uns unserer eigenen Dummheit bewusst werden können. Ich betone können! Um uns diesen Umstand nicht eingestehen zu müssen, überhöhen wir uns - seit Jahrtausenden übrigens - und halten uns schlicht für allwissend. Jeder einzelne von uns! Dass es da zu größenwahnsinnigen Auswüchsen kommt, darf einen nicht wundern.
cdemos: Als da wären?
manitas: Religion, Wissenschaft, Politik, Kapitalismus, Kommunismus, Fetischismus, Ismusismus …
cdemos: Also alles?
manitas: Genau. Das Universum und der ganze Rest.
cdemos: Sie meinen, das Universum ist größenwahnsinnig?
manitas: Selbstverständlich. Das Universum mit seiner ewigen Expansion macht es uns vor, und wir machen es einfach nach.
cdemos: Das ist jetzt ein Witz!
manitas: Wenn Sie das sagen.
cdemos: Sie möchten also nicht Stellung nehmen zu der augenblicklichen Fremdenfeindlichkeit?
manitas: Augenblicklich? Sie war nie fort! Sie ist in unseren Genen verankert. Aber okay, sie geben ja doch keine Ruhe, ich sage dann mal was zu diesen Leuten, die auf die Straße gehen und "Wir sind das Volk!" skandieren. Fakt ist, diese Leute sind NICHT das Volk. Darüber muss man doch gar nicht erst diskutieren. Fakt ist, diese Leute schaden jenen, die Ende der Achtziger aus sehr guten Gründen auf die Straße gegangen sind, mit eben diesem Spruch. Fakt ist, dass die Angst vor der Islamisierung des Abendlandes eine Übersprungshandlung ist, weil diese Leute mit ihrem Leben unzufrieden sind, warum auch immer. Eigentlich hätte das Morgenland viel eher das Recht, Angst vor der Verwestlichung zu haben, denn das ist es was schon seit Jahrzehnten geschieht. Oder eher seit Jahrhunderten, wenn man sagen würde "Christianisierung der Welt".
cdemos: Sind Sie etwa Moslem?
manitas: Nein. Ich gehöre keiner Religion und auch keiner anderen Ideologie an. Weil ich bei diesem Wahnsinn und Schwachsinn nicht mitmache.
cdemos: Wenn Sie tiefer schauen, wie Sie sagen, was sehen Sie dann?
manitas: Gier, Neid, Egoismus und Dummheit. Diese vier Komponenten sind genetisch verankert und der Motor für alles Handeln. Sie entspringen dem Überlebenstrieb und sind für jedes Individuum unabdingbar. In der Gruppe jedoch, in einer Gesellschaft, sind sie gefährlich für andere Gesellschaften - Pflanzen, Tiere - und am Ende sogar für die eigene. Es sind, aus meiner Sicht, die wahren apokalyptischen Reiter.
cdemos: Kann man denn nicht erzieherisch etwas dagegen unternehmen?
manitas: Vielleicht ist das, in der Tiefe, der eigentliche Grund, warum ich schreibe. Weil ich am liebsten schreien möchte. Ich habe jedenfalls bereits ein Schleudertrauma vom unaufhörlichen Kopfschütteln ob der allgegenwärtigen, alltäglichen Blödheit menschlichen Tuns.
cdemos: Sind Sie ein Misanthrop?
manitas: Ein Menschenfeind? Grundsätzlich nicht. Aber manchmal befürchte ich, dass nicht mehr viel fehlt, um einer zu werden.
cdemos: Lassen sie uns das Thema wechseln, sonst wird das hier zu schwer. Schreiben Sie lieber ernst oder auch mal humorvoll?
manitas: Queerbeet. Wichtig ist vor allem, dass ich beim Schreiben Spaß habe. Wenn ich mal zufällig an einer witzigen Geschichte arbeite, kann es sogar passieren, dass ich mich selber schlapp lache, wenn ich Korrektur lese. Dann kann ich natürlich wieder von vorne anfangen mit der Korrektur. Ich kann jedoch auch bei ernsten Themen Spaß haben. Oder, besser gesagt, fasziniert sein, wenn mich das Thema förmlich aufsaugt. Ich lege viel Wert darauf, nicht schreiben zu MÜSSEN. Ohne Lustgewinn würde ich es nicht tun. Ich glaube, bei so manch einem Bestsellerproduzenten merkt man sogar recht deutlich, wenn er nur lustlos des Erfolges wegen sein Handwerk verrichtet. Solche Autoren und Autorinnen schreiben sehr in die Breite. Tiefe scheint sie nicht zu interessieren. Man merkt das schnell an der fast willkürlich anmutenden Anhäufung von Metaphern und generell an der blumigen Sprache. Langweilig, auf Dauer.
cdemos: Wollen sie jetzt Kollegen kritisieren, die ihr Handwerk verstehen, weil Sie darin ziemlich ungeübt sind?
manitas: Ja, ich will kritisieren. Mein Motiv ist allerdings nicht meine eigene Unzulänglichkeit, sondern mein Geschmack als Leser. Wenn sich eine Geschichte nicht richtig entwickelt, sondern in die Länge zieht, nur damit der Autor möglichst viel Text unterbringen kann, habe ich schnell keine Lust mehr, mir den Rest des Romans anzutun. Da lese ich lieber ein spannendes oder witzig geschriebenes Sachbuch. So was gibt es tatsächlich!
cdemos: Wieder zu Ihnen als Autor: verwenden Sie keine Metaphern?
manitas: Doch. Aber selten. Manchmal drängt sich eine förmlich auf, da kann ich dann nicht widerstehen. Ich verzichte allerdings darauf, eine Metapher zusätzlich noch blumig in die Länge zu ziehen. Meiner Meinung nach ist das eine traditionelle Unart, die heutzutage als "gute Literatur" angesehen wird. Da muss sich mal was ändern. Es gibt schon ein paar Autoren, die die Würze in der Kürze entdeckt haben. Leider noch zu wenige.
cdemos: Sie meinen die Avantgardisten?
manitas: Nein. Die darf und muss es auch geben. Schließlich sind das Pioniere, die Terrain erkunden und Grenzen austesten. Ich meine die stinknormalen Schreiberlinge. Wenn ich dann mal eine Metapher benutzen darf: Die traditionelle Literatur kommt mir vor wie eine übermäßig stark geschminkte Frau. Maske! Es ist einfach zu viel. Dezentes Make-up würde die wahre Schönheit unterstreichen, zum Vorschein bringen. Auf die Literatur übertragen meine ich, die Autorinnen und Autoren sollten weniger Geschwurbel zu Papier bringen und sich stärker auf die Geschichte konzentrieren.
cdemos: Aber wenn der Leser doch gerade dieses "Geschwurbel" will?
manitas: Sagte ich bereits. DER Leser als autonom wirkende Kraft existiert nicht. Die Leute kaufen und lesen das, was man ihnen sagt. Wer auch immer "man" ist.
cdemos: Sie verderben sich es gerade mit potentiellen Lesern.
manitas: Und wenn schon. Ich werde nicht in Ärsche kriechen, nur um Erfolg zu haben.
cdemos: Ihr letztes Wort?
manitas: Noch lange nicht. Ich schreibe weiter. Lassen Sie sich überraschen – ich habe eine Menge zu sagen!
cdemos: Na dann, gutes Gelingen.
manitas: Danke.
cdemos: Eine letzte Frage noch: L. Manitas ist doch ein Pseudonym. Wer sind Sie wirklich? Oder, um auf Ihren Roman 42 Punkt Null anzuspielen: Woher kommen sie? Wohin gehen Sie? Und was soll der Scheiß?
manitas: Das meinen Sie jetzt nicht ernst?
cdemos: Doch! Also, wer sind Sie?
manitas: Lesen Sie den Prolog von "42 Punkt Null" — dann wissen Sie, wer ich bin. Woher ich komme, wohin ich gehe und was der Scheiß soll erfordert allerdings die Lektüre des ganzen Romans.
cdemos: Danke für das Interview!
manitas: Wie eingangs gesagt: Da nich für!

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