Lohre Ley …

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cdemos: Danke, Frau Ley, dass Sie uns für Fragen zur Verfügung stehen.
Lohre: Keine Ursache. Ich danke Ihnen.
cdemos: Woher stammen Sie?
Lohre: Aus Bayern. Aus dem Ruhrgebiet. Aus Norddeutschland. Spielt das eine Rolle?
cdemos: Bei ihrem Namen würde man Sie eher dem Rhein zuordnen.
Lohre: Der Name ist ein Pseudonym.
cdemos: Warum schreiben Sie nicht unter ihrem richtigen Namen?
Lohre: Ich habe keine Lust, gestalkt zu werden. Außerdem zieht es mich nicht in die Öffentlichkeit. Ich bleibe lieber im Hintergrund.
cdemos: Sie werden also vermutlich nichts über sich preisgeben, richtig?
Lohre: Zumindest nichts Privates.
cdemos: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Lohre: Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Eines Tages habe ich einfach angefangen.
cdemos: Gab es einen bestimmten Auslöser?
Lohre: Möglich. Vielleicht war es mein Ärger darüber, dass weder Emanzipation noch Genderpolitik etwas an den Vorurteilen in unseren Köpfen geändert haben.
cdemos: Vorurteile?
Lohre: Oder Klischees. Nennen Sie es, wie Sie wollen.
cdemos: Das betrifft zum Beispiel die Mann/Frau-Klischees wie in Ihrem Roman Männerding. Dort geht es um einen Macho, der nach allen Regeln der Kunst manipuliert wird, von einer Frau natürlich, aber am Schluss doch kein Verlierer ist.
Lohre: Richtig. Habe ich da etwa nur meine eigenen Vorurteile zu Papier gebracht? Nein. Gespräche mit meinen Betaleserinnen und -lesern haben die von mir bewusst eingesetzten Klischees immer wieder bestätigt.
cdemos: Apropos Klischees — Sie verwenden ja reichlich davon, besonders zu Beginn des Romans. War das ein Versehen oder mangelndes schriftstellerisches Können?
Lohre: Ich muss doch sehr bitten …!
cdemos: Also Absicht. Erklären Sie doch bitte, warum.
Lohre: Nach meiner Auffassung darf man keine Angst haben, sich die Hände schmutzig zu machen, wenn man im Dreck wühlt. Metaphorisch gesehen habe ich genau das getan. Dazu gehören eben auch die zahlreichen Klischees, Vorurteile und Werturteile, derer wir uns im Alltag gewohnheitsmäßig bedienen.
cdemos: Etwas befremdlich ist der Umstand, dass Sie aus der Sicht des männlichen Protagonisten in Gegenwartsform erzählen. Kann eine Frau sich überhaupt in einen Mann hineindenken?
Lohre: Selbstverständlich. Jede Frau kann das. Männer sind einfach gestrickt. Umgekehrt dürfte das schon schwieriger sein. Das ist übrigens ein Klischee (grinst).
cdemos: Was mir positiv aufgefallen ist, ist der humorvolle Tonfall, in dem sie schreiben. Sind sie auch privat ein humorvoller Mensch?
Lohre: Manchmal. Wenn mir danach ist. Allerdings ist es nicht leicht, mich zum Lachen zu bringen. Wenn es gelingt, dann muss ich dazu aber nicht erst in den Keller gehen.
cdemos: In Ihrem Roman ist die Antagonistin eine Domina und auch Eigentümerin einer Produktionsfirma für Pornofilme. Ist etwas davon autobiografisch?
Lohre: Ich sagte bereits, dass ich nichts Privates preisgebe.
cdemos: Das könnte man als Bestätigung verstehen.
Lohre: Also bitte, das nervt! Aber da Sie vermutlich nicht lockerlassen werden: Man soll immer über das schreiben, was man kennt. Reicht das als Antwort?
cdemos: Ich denke, ich habe verstanden. Lassen Sie uns kurz zu ihrem Protagonisten und Icherzähler zurückkehren. Zu Beginn wird er als, sagen wir, Blödmann, dargestellt. Am Ende steht er jedoch im Grunde als Gewinner da, obwohl er ordentlich an der Nase herumgeführt wurde. Das überrascht mich, da ich eigentlich erwartet hätte, dass sie ihn scheitern lassen. Frauen machen das doch gerne so.
Lohre: Und da hätten wir wieder eins dieser erbärmlichen Klischees. Warum sollte ich ihn scheitern lassen? Weil Frauen Männer gerne schlecht dastehen lassen, oder was? Zweifellos gibt es Menschen, die in ihrem Leben nichts zustande bringen, Männer wie Frauen, aber oft sind es die Umstände, die zu einem Versagen führen. Ich wollte mit meinem Roman bewusst ein Zeichen setzen, genauer hinzuschauen. Es ist eben nicht immer alles schwarz oder weiß. Manchmal geht es ziemlich bunt zu.
cdemos: Letztlich sind es dann doch die Frauen, die bestimmen, wo es langgeht?
Lohre: Natürlich.
cdemos: Ist das nicht auch ein Klischee?
Lohre: Ja. Es stimmt aber.
cdemos: Sie sagten vorhin, dass man das schreiben soll, was man kennt. Wie authentisch ist Ihr Roman?
Lohre: Mal überlegen. Die Namen der Personen habe ich geändert, die Berufe nur minimal. Ansonsten habe ich mich stark an Erlebtem orientiert.
cdemos: Das heißt, diesen Barni gibt es wirklich?
Lohre: Gab es. Vergangenheit. Die anderen Charaktere auch. Bis hin zur nebensächlichsten Randfigur.
cdemos: Also authentisch?
Lohre: Zu 98 %.
cdemos: Gibt es den Unterschied zwischen Frauen und Männern wirklich, oder ist er nur ein Märchen?
Lohre: Männer sind genauso wie Frauen, nur anders.
cdemos: Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Lohre Ley, vielen Dank für das Interview!
Lohre: Vielen Dank fürs Zuhören.

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